Logging

Eigentlich würde ich jetzt mein MacBook Pro vom Schreibtisch nehmen, mein Kissen zurecht rücken und mich aufrecht, mit dem MacBook auf dem Schoß ins Bett setzen. Aber da ich das ja gerade “nicht zur Hand” habe, schreibe ich einfach mit meinem Edelstahl-Kuli auf kariertes Papier. Liniert mochte ich noch nie. Wobei ich Linien sonst sehr mag.

So jetzt hab ich mein Kissen doch zurecht gerückt und sitze nun aufrecht. Aber ein MacBook Pro habe ich deswegen trotzdem noch lange keins.

Weswegen bloggt man? Schreibt man das überhaupt so? Eigentlich müsste es ja “blogged” heißen. Ist ja eindeutig Englisch. Inzwischen ist das ja aber bestimmt eingedeutscht. Zumindest in Bloggerkreisen. Das hier darf man ja eigentlich auch nur deshalb “Blogging” nennen, weil ich das “we” vorne dran weglasse. Aber dann könnte man auch, wie früher, logging sagen. Somit sei geklärt dass das heute inzwischen so hippe Wort “Blogging” im Endeffekt von Logging kommt. Ein Logbuch führen, etwas mit schreiben oder aufzeichnen. Deshalb wird Bloggen auch oft mit “ein Tagebuch im Internet” beschrieben. Man beschreibt sein eigenes Leben. Beziehungsweise nur einen kleinen Teil davon. Alles kann man nicht mitschreiben, sonst wäre man andauernd am Schreiben und hätte längst nicht alles erfasst. Man müsste ja auch immer wieder zu jeder einzelnen noch so kleinen Empfindung seine Gedanken dazu schreiben. Aber diese Datenflut hält kein Rechenzentrum aus! Übrigens schreibt jeder über sein Leben. Auch der, der über Gartenzwerge und der der über die aktuelle Politik schreibt. Alles was eine einzelne Person verfasst ist aus derem Leben und kann nur von diesem Menschen so und zu dieser Zeit geschrieben werden. Alles ist privat. Den Unterschied zwischen Jura-Blog und Liebes-Tagebuch macht nur die Tiefgründigkeit. Also wie sehr man seine Leser an sich und sein Leben ran lässt. Mit einem Aufschreiben über sein Liebesleben lässt man den Leser natürlich meistens sehr viel mehr über sich erfahren. Was ich damit sagen möchte, ist dass man die private Komponente eines Blogs nur durch redaktionelle Arbeiten raus bekommen würde. Also indem viele Personen an einem Text tüfteln. Aber das fände ich extrem langweilig. Dazu gibt es Zeitungen.
Deswegen bin ich der Meinung, dass es Zeitung-Blogs nicht braucht. Und wenn, dann nur wenn die Einträge nur jeweils eine Person schreibt.

Halten wir fest: Das Schöne am Bloggen ist, dass man sich einer unbegrenzten Masse mitteilen kann, dass man privates preisgeben kann und – wenn man nicht ganz doof ist – genau bestimmen kann wievielt man preisgeben will.
Ich selbst finde das Bloggen aber deswegen so praktisch, weil man einfach mal festhalten kann was man gerade über etwas denkt. Man kann das auch in ein Tagebuch schreiben oder in eine *.txt-Datei und sie dann links hinter dem Papierkorb abspeichern. Aber dann hat man es nicht so schön geordnet und vor allem kann niemand seinen Senf dazu geben. Es kann keine Diskussion entstehen. Es findet kein Austausch mit mehreren Menschen statt. Und Diskussionen sind doch elementare Momente im leben. Ich würde fast behaupten dass der Austausch mit anderen Menschen ein Lebens-Elixier ist.
Natürlich gibt es auch Sachen die man nur ausschließlich für sich selbst aufschreiben möchte. Die kann man dann in schöne klassische schwere Tagebücher schreiben.
Ich halte also mit dem Bloggen fest was mir gerade durch die Hirnwindungen rieselt. Ich schreibe es einfach hin. Dann kommt einer zufällig vorbei, ließt das und denkt Was für einen Rotz schreibt der denn? oder auch Boah cool, das hab ich bei diesen Süd-Ost Sibirischen Mammut-Bananen auch gedacht und schon verfasst derjenige einen Kommentar. Dann reagiere ich darauf und es kommt derweil vielleicht schon wieder ein Dritter vorbei… Schon ist eine interessante, sinnlose oder wütende Debatte im Gange. Aber die Tatsache dass es sich um eine Diskussion handelt macht diese so oder so wieder interessant. Man lernt in jedem Fall was dazu. Und wenn es auch nur die Erkenntnis ist, dass man besser was anderes gemacht hätte. So kann ein ganzer Senfbaum entstehen.

Im Idealfall hat man dann mit einem Blog einen riesigen Fundus an Informationen. Meistens sind die Informationen für den der die Diskussion angestoßen hat am interessantesten. Denn er lichtet somit die Schranken seines Geistes. natürlich muss man auch im Stande sein die ganzen zusätzlichen Meinungen von Fremden zu bewältigen. und vor allem auch sich für irgend einen Standpunkt zu entscheiden. Man kann nicht zehn Kommentaren die alle eine andere Meinung widerspiegeln zustimmen.

Wenn ich über ein Thema wie “Was macht ein Kuh-Pansen ohne Inhalt?” schreibe das mal keinen interessiert, dann entweder weil ich mich gerade selbst damit beschäftige, oder weil ich der Meinung bin es müsste viele Leute interessieren. Wenn der erste Fall eintritt dann schreibe ich das so hin. Ohne Erwartungen. Einfach damit ich es mal geschrieben habe. Vielleicht kann ich es ja mal brauchen. Wenn ich mich dann Jahre später angestrengt mit einem Bauern unterhalte, kann ich sagen:”Hey guck mal da, da hab ich mir schonmal Gedanken drüber gemacht.” Dann lese ich das selbst auch wieder und denke Ja, hier fehlt vielleicht noch was und dort auch aber eiegntlich ist das so das was ich darüber denke. Oder aber ich denke  Mensch was hast du damals für einen riesen Bockmist verzapft?
Somit hat man Informationen darüber wie man früher war. So kann man andauernd sehr viel über sich selbst erfahren. Und das sogar ohne dass all die Fremden es bemerken. Denn die wichtigen Sachen und die Unterschiede zu seinem heutigen Denken kann niemand außer man selbst erkennen.
Das macht das Bloggen zu einem so genialen Medium. Es ist verdammt universell, flexibel und wenns sein muss auch schnell gelöscht. Zumindest für den Laien.

Ich werde jetzt für einige Promille meines Lebens eine sehr schöne Tätigkeit ausüben. Ich werde nämlich schlafen.
Gute Nacht!

05.03.2007 6:18 Uhr
(sechs Seiten kariertes Osiander-College-Block Papier 🙂 )

0 thoughts on “Logging

  1. Gute Nacht! 🙂
    Sollte ich evtl. auch mal auf Papier bloggen? *gruebel*
    Ich finde Bloggen mit persönlicher Note auch am Interessantesten.
    Ich denke es ist für den Blogger auch am Leichtesten.

  2. Hast etwa alles gelesen? 🙂

    Naja… ich hätte das auch nicht auf Papier geschrieben wenn ich nen Notebook gehabt hätte! Bzw. nen Mac den ich einfach nur aufklappen muss…

    Klar ist das für den jeweiligen Blogger am einfachsten, denn er kann aj einfach das niederschreiben was er sich ganz alleine dazu denkt. Er muss auf niemanden Rücksicht nehmen. Und wie gesagt, wenn ein beitrag von einer einzelnen person geschrieben wurde ist die persönliche Note so doer so dabei. Kommt nur immer drauf an wie stark sie ausgeprägt ist.

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